Field Goal entscheidet dramatisches „Endspiel“ um den Aufstiegsplatz

Beide Mannschaften wussten, dass es im Endspiel um den Relegationsplatz für den Aufstieg in die Regionalliga heiß her gehen würde, doch was diese Partie an Dramatik bieten sollte, wird wohl noch lange im Gedächntis bleiben. In einem Spiel, in welchem das Wetter so wechselhaft war wie die Ergebnisse auf dem Score Board, war bis in die letzten Sekunden hinein alles möglich. Doch am Ende krönten sich die Ritter nach spektakulärer Aufholjagd mit einem perfekt verwandelten Field Goal zum Sieger über die Badener Greifs, die im Hinspiel ebenso knapp mit 20:19 geschlagen werden konnten. Doch der Reihe nach.

Der Offense der Gastgeber, angeführt von ihrem amerikanischen Allround-QB Brady Kelliher, gelang ein früher Touchdown zum 6:0 (PAT nicht gelungen). Der durch Verletzungen und Auslandsaufenthalten ausgedünnten Tübinger Defense gelang es zunächst nicht, die Mischung aus Pass- und Laufspiel zu kontrollieren. Doch die Tübinger Offense lieferte gleich die Antwort und marschierte mit langen Läufen von Tobias „Beo“ Lutz Richtung gegnerische Endzone, wo Lutz auch den Touchdown zum 6:6-Zwischenstand verwandelte (PAT ebenfalls nicht gelungen).
Danach kam eine Phase, in der sich die Greifs kurzzeitig schon siegreich wähnten. Die Kalrsruher Verteidigung kontrollierte das Angriffsspiel der Ritter, während deren Offense eiskalt die Schwächen der Tübinger Verteidigung ausnutzte. Kurz hintereinander schlug das 12:6, dann das 18:6 ein – PAT waren beide nicht gut (es sollte kein einziger PAT an diesem Tag erfolgreich sein).
Doch die Tübinger haben in dieser Saison schon mehrfach gezeigt, dass Rückstände aufzuholen ihre Spezialtät ist und so passierte wieder dieser magische Momentum Shift als Belohnung einer überragenden Teamarbeit im 2. Quarter, als die Defense der Ritter die Räume zu machte, als trotz zwischenzeitlicher Regenfälle und nassem Feld die Pässe von QB Steffen Becker bei den Recievern ankamen und als die Runningbacks dank überragender Blockarbeit der O-Line ihre Lücken fanden. Zunächst war es erneut Tobias Lutz, der zum 12:18 verwandelte, kurz vor der Halbzeit dann Tank-Maschine Luis List zum 18:18-Gleichstand. Dank einer Interception von Ulf Heyne konnte die Tübinger Defense vor dem Halbzeitpfiff ein erneutes Punkten der Greifs verhinden – Alles war wieder auf Null, die zweite Halbzeit versprach hitzig zu werden.

Nach dem Wiederanpfiff ging es hin und her, es ist schwer überhaupt in Worte zu fassen, wie abwechslungsreich diese Offense-Schlacht war. Nach mehreren Three-and-outs auf beiden Seiten schafften die Gastgeber es, in Field Goal-Reichweite zu kommen. Der Kicker schoss das Leder allerdings knapp daneben – diese vergebenen 3 Punkte sollten sich am Ende als spielentscheidend erweisen. Nun war die Tübinger Offense am Zug. 
Rookie Eric Scholz, der schon die ganze Saison überragende Fortschritte erzielte, pflückte das Ei nach einem perfekten Pass von Becker und zündete den Turbo: Er ließ alle Verteidiger hinter sich und sprintete für einen 80-Yards-Touchdown. Nun führten die Tübinger mit 18:24. Doch auch wenn die Tübinger Defense die Verteidigung der Greifs immer besser im Griff hatte, so war deren Quarter Back dennoch immer für eine Überraschung gut. Mit einem bärenstarken Arm warf er das Leder quer über das Feld und fand dort einen Empfänger – Nicht einmal eine Minute nach dem Touchdown von Scholz stand es also wieder 24:24, doch da die Greifs dieses mal eine Two-Point-Conversion versuchten und erfolgreich umsetzten, konnten sie wieder mit 26:24 in Führung gehen. Auf der anderen Seite konnte zu Beginn des 4. Quarters in einem langen Drive erneut zunächst Eric Scholz erneut einen langen Sprint hinlegen, wurde aber an der 1-Yard-Linie doch noch zu Fall gebracht. Tobias Lutz konnte aber zum nötigen Touchdown verwandeln und ebenfalls die 2Pt-Conversion klar machen – Zwischenstand 26:32 für Tübingen. Noch einmal sollten die Greifs zurückkommen: Ihr Quarterback ließ nichts anbrennen und so war es erneut ein langer Wurf, der zum Touchdown für die Gastgeber gefangen wurde. Auch hier gelang wieder die 2Pt-Conversion: 34:32 für die Karlsruher, nur noch wenige Minuten zum Schlusspfiff. Die Dramatik der letzten Minuten wurde immer schlimmer, es wurde laut auf dem Sportplatz in Grünwettersbach. Dass auch die Special Teams tolle Arbeit leisteten, zeigte sich in einem grandiosen Kick off Return an die gegnerische 18-Yard-Linie. Doch die Tübinger konnten die Chance nicht nutzen, es kam zu einem Sack Fumble, die Greifs eroberten den Ball. Nun feuerten die Red Knights samt angereister Fans und Supporter von den Black Forest Foxes die Defense auf Hochtouren an, und so konnten die Greifs noch einmal zum Punt gezwungen werden, anderthalb Minuten vor Abpfiff. Es musste nun schnell gehen, doch durch clevere Läufe ins Aus und unter Aufwendung der letzten Time Outs schafften es die Tübinger bis zur 30 Yard-Linie. Auf der Uhr standen noch 16 Sekunden. Nach der Partie verriet Head Coach Sven Diether, was in seinem Kopf vor ging: „Ganz ehrlich, ich war am Verzweifeln. Den ganzen Tag hat kein Kick geklappt, und jetzt hast du eigentlich keine Wahl mehr. Aber 40 Yards, dazu starker Wind – es schien unmöglich.“ Der frisch aus der Jugend in die Herrenmannschaft aufgenommene Vinni „the Huf“ Dorn sollte ausführen, die Special Teams blockten was das Zeug hielt, sodass sie ihrem Kicker Zeit für einen sauber plazierten Kick gaben. Für eine Sekunde schien die Zeit still zu stehen, die Spannung zerriss die Luft und es war mucksmäuschenstill. Als aber nach einer leichten Drehung der Ball perfekt zwischen die Stangen flog, gab es kein halten mehr auf den Rängen der Red Knights – doch noch musste man ein paar Sekunden überstehen und man hatte nun oft genug den starken Arm des Amerikaners Kelliher kennengelernt. Doch die Passverteidigung hielt stand und so konnte nach einer wirklich spannenden und dennoch fairen Partie das Spiel für die Red Knights zum 34:35-Endstand gedreht werden, die damit die Aufstiegschancen wahren: Im Herbst wartet in der Relegation mit den Holzgerlingen Twister höchstwahrscheinlich ein alter Bekannter auf die Tübinger Ritter. 
Wir bedanken uns bei den zahlreich angereisten Fans für ihre Unterstützung, besonders auch bei den BlackForest Foxes, die für diese Auswärtspartie ihre weißen Jerseys zur Verfügung stellten und bei den stark aufspielenden Badener Greifs für eine harte, aber faire Partie. 

BE A RED KNIGHT!