Furioser Sieg im Lokalderby

Im heiß erwarteten Lokalderby zwischen den SSV Reutlingen 05 Eagles und den Tübingen Red Knights konnten die zahlreich angereisten Fans Zeugen dessen werden, was man im Football gemeinhin als "momentum shift" kennt: Nach einem 17:00-Rückstand am Ende des 1. Quarters schafften es die roten Ritter sich nach einer furiosen Aufholjagd am Ende der Partie mit einem 17:20-Sieg zu belohnen.

Die Ritter starteten denkbar unglücklich in die Partie: Die Reutlinger Offense ließ die Tübinger Verteidigungslinien hinter sich, marschierte mit langen Läufen über das Feld und belohnte sich mit dem 1. Touchdown nach wenigen Minuten zum 7:0 (PAT getroffen). Kurz darauf, gerade als die Tübinger Offense langsam ins Spiel kam, warf Quarterback Steffen Becker eine unglückliche Interception, die zum "Pick Six" von den Reutlingern verwandelt wurde. So stand es bereits nach 12 Minuten 14:0. Und auch zu Beginn des 2. Quarters fand die Defense noch kein probates Mittel gegen die bis dahin stark aufspielende Reutlinger Offensive. Ein weiterer Touchdown konnte jedoch verhindert werden, doch durch ein Field Goal erhöhten die Reutlinger auf 17:0. Zu diesem Zeitpunkt schien die Hoffnung auf einen Sieg sich in Luft aufgelöst zu haben, doch was ab der Mitte des 2. Quarters passierte, lässt sich schwer in Worte fassen, wenn man nicht selbst live dabei war. Die zahlreich angereisten Tübinger Fans wurden immer lauter, die Offense der Ritter immer selbstbewusster, die Defense zeigte mehr Härte. Die Tübinger Angriffswelle rollte in starken Läufen über das Feld und wurde am Ende durch einen genialen Pass von Steffen Becker, der sich durch seine Interception nicht aus der Ruhe hat bringen lassen, mit einem Touchdown belohnt, als Fabian Wolter das Ei aus der Luft zum 7:17 pflückte (PAT durch Philip Perus erfolgreich). Ein Knistern lag auf einmal in der Luft, die Reutlinger wurden nervöser und die Tübinger drehten auf. Die Tübinger Defense kontrollierte von nun an das Reutlinger Spiel, insbesondere durch QB-Sacks von Nils Lechner und Jakob Bangen und hartes Tackling der Linebacker kamen die Reutlinger nicht mehr voran. Nach der Halbzeit ging es wild weiter. Das 3. Quarter blieb ein offener Schlagabtausch der beiden Offenses, bei dem die Tübinger mehr Raum machen konnten. Ein kleiner Dämpfer für die immer motivierteren Ritter war das misslungene Field Goal, mit dem man den Spielstand weiter hätte verkürzen können. Doch ließen sich die Tübinger auch hiervon nicht entmutigen und zeigte weiter, was es heißt bis zum Ende mit Vollgas Football zu spielen. Die Reutlinger Defense wurde immer müder und unaufmerksamer, während die Tübinger Offense Line alles wegblockte, was ihnen im Weg stand. Die Running Backs fanden ihre Lücken, doch war letztlich die enorme Akrobatik von Fabian Wolter erneut ausschlaggebend, dass das Spiel von nun an gedreht werden konnte. Dieser erwischte im 4. Versuch an der gegnerischen 3 Yard-Linie den Ball gerade noch so mit den Fingerspitzen und packte zu. Luis List musste sich dann noch durch eine müde Defense Line durchtanken, mit dem erfolgreichen Extrapunkt stand es 14:17, alles war wieder offen. Und nun konnte auch noch die Defense der Ritter zeigen, warum sie die beste der Liga ist: Der nervöse Reutlinger Quarterback fumbelte den Ball und ein sehr aufmerksamer Lennart "die Kralle" Sommer pflückte das Ei vom Boden und marschierte durch drei (!) Verteidiger, von denen ihm einer noch am Bein hing, in die Endzone zum Touchdown-Return. Doch da der Extrapunkt nicht gelang, hätten mit dem neuen 17:20-Stand die Reutlinger durch ein Field Goal noch ausgleichen können. Allerdings war zu diesem Zeitpunkt die Stimmung vollkommen gedreht: Während zu Beginn der Partie Fassungslosigkeit auf der Tübinger Seite herrschte, konnte man nun an der Sideline sein eigenes Wort nicht mehr verstehen. Angeheizt durch die Ersatzsspieler skandierten die Tübinger Fans laute Schlachtrufe, die die Denfense weiter antrieb. Am Ende konnten die Reutlinger keinen entscheidenden Raumgewinn mehr machen und nachdem alle Timeouts aufgebraucht waren, konnten die Tübinger endlich abknien und diese harte Aufholjagd mit einem fulminanten Derbysieg krönen. 

Die Red Knights setzen damit ein großes Ausrufezeichen im Aufstiegskampf, während es für die bisher siegreichen Reutlinger vor heimischer Kulisse einen ersten großen Dämpfer bedeutete. Wir bedanken uns bei allen angereisten Fans für den geilen Support und natürlich auch den Reutlinger Eagles für ein hartes, aber faires Spiel und eine atemberaubende Kulisse im Flutlicht an der Kreuzeiche.

Be a Red Knight!