Ein neues Leben beginnt – Drei unterschiedliche Typen und ihr Weg zum American Football

Im Februar 2017 trafen

Steffen G. (dato 21 Jahre aus Rottenburg),  Philipp P. (24 Jahre aus Tübingen) und Mike L. (28 Jahre aus Balingen) völlig unabhängig voneinander, am selben Tag,

die gleiche Entscheidung: HEUTE GEH ́ ICH ZU DEN RED KNIGHTS!

 

Warum Steffen und Phil diese Entscheidungen trafen, kann ich euch zwar nicht sagen – dafür aber wie es bei mir dazu kam.

 

Mein „sportliches“ Leben fand eine ganze Weile schon nicht mehr statt. Trotz Vollzeitjob. Weiterbildung und Familie fehlte mir etwas im Leben. Früher spielte ich Fußball, aber diesem Sport kann ich eine Weile schon nichts mehr abgewinnen. Seit geraumer Zeit beschäftigte ich mich intensiver mit American Football und irgendwann kam mir die Idee nach zu schauen, ob man das auch in Deutschland spielen kann. Im Internet stieß ich dann auf drei Teams in meiner Umgebung. Die Knights waren das Team in der höchsten Liga, welches ich auch zuletzt ausprobierte. Nach den ersten beiden Teams war ich mir wirklich unsicher, was mich dort erwarten würde. Meine ersten Erfahrungen im AF waren ja eigentlich nur vom Zusehen geprägt. Ich zögerte, überlegte und diskutierte mit meiner Frau und irgendwann packte ich einfach meine sieben Sachen und fuhr auf das Holderfeld. Dort traf ich auch das erste Mal auf Steffen und Phil. Insgesamt waren wir eine Gruppe von acht sogenannten Rookies. Headcoach Sven sprach kurz mit uns und erklärte den weiteren Ablauf, danach gingen wir zur Garage um uns mit einer Leihausrüstung auszustatten. Das allererste Mal in Pad und Helm – ein geiles Gefühl, du kommst dir unbesiegbar vor!

Nachdem wir alles wieder ablegen mussten ging es auch gleich zum aufwärmen: Ein lockeres Aufwärmspiel mit der gesamten Mannschaft, danach verschiedenste Übungen zum Dehnen und vollends warm werden. Im Anschluss in die Montur werfen und Line-Up. Der Coach checkte kurz die Mannschaft sprach noch zwei, drei Worte und wir Rookies bekamen einen speziellen Coach zur Seite gestellt, welcher sich ausschließlich mit uns befasste.

Der HC teilte uns mit, dass alle Rookies ohne Vorerfahrungen erst eine Weile ein gesondertes Training bekommen. Aus Sicherheitsgründen für die eigenen und die potenziellen neuen Spieler. Und um erst einmal die Grundlagen zu lernen, sowie für sich selbst klar werden ob Football überhaupt die richtige Sportart ist. Denn eines ist klar: Football spielt man ganz oder gar nicht!

 

Wir trainierten also, lernten die ersten Grundlaufrouten und wie man Bälle richtig fängt und trägt. Machte schon mal richtig Bock soweit, nur fehlte noch irgendwas, der Kontakt. Dafür waren wir aber noch nicht bereit, nicht nach dem ersten Training. Die Zeit verging also wie im Flug und kurz vor Trainingsschluss gingen wir zum Team und sahen dort beim Scrimmage (wie ein Trainingsspiel) zu. Wir sollten lernen und beobachten, aus nächster Nähe live mitbekommen was American Football ist – was es ausmacht. Dinge die man im TV manchmal

so nicht sieht. 

Nach dem Training stellten wir uns der Mannschaft vor, sagten zwei drei Sätze über uns und wurden im Mannschaftshuddle in typischer Red Knights Manier begrüßt. Die Coaches sprachen noch etwas mit uns, unter anderem auch über unsere Ideen bezüglich Wunschposition und Vorstellungen, da diese selbstverständlich auch eine Rolle für das weitere Footballerleben spielen. So trainierten wir dann Einheit um Einheit gesondert im „Rookietraining“. Manche kamen nachträglich hinzu, manche sah man auch nie wieder. Wir lernten immer neue Techniken und Züge, und langsam kamen auch Kontaktübungen hinzu. Leichte für den Anfang mit Dummies und speziellen Geräten, und zum Schluss auch gegen die anderen Rookies. Immer unter den Augen der Rookiecoaches und regelmäßiger Beobachtung der Positions- und des Headcoaches. Auch die erfahrenen Seniorspieler kamen uns zur Hilfe, mit Tipps, Tricks und Techniken. Alles in allem fühlten wir uns gut aufgehoben. Man brachte uns zwar hin und wieder an unsere Grenzen, aber das ist es ja was man als Sportler auch will.

 

Nach ungefähr zehn Wochen war es dann für uns drei soweit:

Wir bekamen unsere Positionen zugeteilt und durften erstmals mit den Seniors trainieren. Phil kam zu seiner Wunschposition, den Wide-Receiver und auch Steffen und ich durften zu unserer Wunschposition, den Running-Backs. Hier merkten wir auch sofort warum das gesonderte Training in diesem Umfang nötig war, denn hier wehte ein ganz anderer Wind. Alles war straffer, akribischer und aber auch härter. Ich wiederhole mich zwar, aber: Football spielt man ganz- oder gar nicht. Wer nicht richtig bei der Sache ist, zögert oder halbherzig an das Spiel heran geht riskiert Verletzungen. Nicht nur bei sich, nein auch bei Mit- oder Gegenspielern. Außerdem macht niemand Sport um zu verlieren.

Die Zeit verging wie im Flug und die halbe Saison war vorbei. Phil und Steffen waren nun Bestandteil des Kaders, ich musste leider verletzt aussetzen da ich mir das Handgelenk gebrochen hatte. Meine zwei Rookiekameraden hatten also in einem knappen halben Jahr den Sprung vom absoluten Neuling in den Kader einer Oberligamannschaft (4.Liga) geschafft und bekamen tatsächlich auch die ersten Snaps im Spiel ab.

Am Ende der Saison waren die Red Knights Vizemeister in der Oberliga und wir fester Bestandteil des Teams. Voll aufgenommen und angekommen. Seit dem ist Football ein wichtiger und geiler Teil unseres Lebens. Und auch neben dem Training gibt es immer wieder coole Aktionen mit dem Team oder den Positionsgruppen. Ob verschiedenste Feiern, gemeinsame NFL-Abende oder Aktivitäten die ganz und gar nichts mit dem unserem Sport zu tun haben – hier ist immer wieder was geboten.

 

Zusätzlich zu alledem lernt man hier Leute aus den verschiedensten Gegenden kennen, findet neue Freunde und gleichgesinnte in allen Altersstufen (19- 39 Jahre alte Mitspieler), man sieht etwas von unserem wunderschönen Bundesland und erlebt Dinge, die keine andere Sportart bieten kann. Aktuell bereiten wir uns wieder auf die neue Saison vor. Phil und Steffen coachen zusätzlich jetzt auch schon die jüngsten Footballbegeisterten in den Jugendteams.

 

Diesen Text schreiben wir vor allem um allen denjenigen die noch unentschlossen sind, die nicht wissen was sie erwartet, einen Einblick zu gewähren wie es in Deutschland im American Football gehen kann. Niemand erwartet von euch sofort wie Antonio Brown zu fangen, wie Todd Gurley durch die Defense zu laufen oder wie Luke Kuechly Gegner zu tackeln. Ihr bekommt hier Individuell die Möglichkeit an das Team heranzuwachsen, Football richtig zu

lernen in einem Super-Umfeld. Alles was ihr braucht ist Geduld, Spaß und Interesse an der Sportart. Es gibt kein falsches Alter, keine falsche Herkunft oder Figur. American Football bietet für jeden Typ Mensch eine Möglichkeit. Auch die Entfernung ist kein Todschlagargument – gut die Hälfte des Teams kommt nicht aus Tübingen und bilden Fahrgemeinschaften nur um hier richtig guten Football zu spielen.

 

Als Anfänger habt ihr jetzt die Möglichkeit noch pünktlich zur Pre-Season einzusteigen. In den Rookieeinheiten werdet ihr alle Positionsgruppen ausprobieren können und wer weiß, vielleicht steht ihr dann auch Pünktlich zur neuen Saison mit uns gemeinsam auf dem Feld? 

Wir drei können es nur empfehlen. Es gibt nur eines was wir alle bereuen: Das wir erst so spät angefangen haben!

 

Wir freuen uns darauf, euch Montags und Donnerstags ab 19:30 Uhr beim Training zu

begrüßen, BE A RED KNIGHT!

 

Liebe Grüße

 

Steffen, Phil und Mike