Red Knights mit erfolgreicher Oberliga-Heimpremiere

Auch im zweiten Spiel der Saison konnten die Footballer des SSC Tübingen einen Sieg feiern. Auf dem heimischen Holderfeld stand am Ende ein 16:10-S

ieg gegen die Stuttgart Silver Arrows auf dem Scoreboard.

Nach dem Aufstieg in der letzten Saison treten die Footballer aus Tübingen in diesem Jahr in der Oberliga Baden-Württemberg an. Beim Saisonauftakt vergangene Woche in Karlsruhe konnte gleich der erste Sieg bejubelt werden. Im eigenen Stadion wollten die Ritter sofort nachlegen.
Gut 300 Zuschauer sahen bei bestem Football-Wetter einen äußerst nervösen Beginn der Gastgeber. Nach gewonnenem Münzwurf starteten zunächst die Red Knights mit ihrer Angriffsformation. Gleich in den ersten Versuchen wurde Rookie Fabian Wolter bei einem langen Pass äußerst rustikal vom gegnerischen Safety abgeräumt. Diese Aktion sorgte auch noch lange nach dem Spiel für Gesprächsstoff, wurde von den Referees jedoch als regulär eingestuft. Ohne entscheidenden Raumgewinn mussten die Red Knights das Ballrecht an die Gäste abgeben. Mit

Läufen über die Außen machten es die Silver Arrows besser und punkteten gleich in ihrer ersten Serie mit einem Fieldgoal zum zwischenzeitlichen 3:0.



Mit einem verbesserten Laufspiel kamen die Tübinger zurück auf den Platz. Vor allem Runningback Jan Homann fand nun hin und wieder Lücken in der gegnerischen Vertei

digung. Das Passspiel dagegen stotterte weiterhin und so wechselte das Angriffsrecht nach einem misslungenen Draw (siehe Glossar) abermals ohne zählbaren Erfolg. Die Gäste aus Bad Cannstatt zeigten sich auch im Passspiel wacher und überbrückten schnell gut die Hälfte des Feldes. Mit einer taktischen Auszeit unterbrachen Coach De Pauli diesen Spielfluss und gab der Defense neue Anweisungen. Nach diesem taktischen Manöver gelang es den Rittern erstmals die gegnerische Offense zu stoppen. Nur kurze Zeit später hatten die Silver Arrows jedoch wieder den Ball und kamen nun vor allem mit kurzen Pässe über die Außen der Endzone gefährlich nahe. Ein weiterer Pass, adressiert an d

ie Endzone, wurde unter tosendem Applaus von Safety Joe Stötter im letzten Moment abgefangen und bis fast zur Mittellinie vorgetragen. Statt einem weiteren Rückschlag für die Hausherren hatten diese plötzlich Ballbesitz, eine gute Feldposition und zudem reichlich Rückenwind, den Runningback Tobias Lutz gleich zu einem langen Lauf nutzte. Die Stuttgarter ihrerseits agierten nun unüberlegt und handelten sich empfindliche Strafen ein, die den Vormarsch der Ritter weiter begünstigten. Einzig Rafael Dobler, ein ehemaliger Red Knight, fand in dieser Phase das richtige Mittel auf Seiten der Silver Arrows. So mussten sich die Tübinger mit einem Fieldgoal zum 3:3-Ausgleich, erzielt durch Christoph Teufel, begnügen.
Auch die Verteidigung der Heimmannschaft wirkte nun gefestigter. Die Anspielstationen für den Stuttgarter Quarterback waren ein ums andere Mal so effektiv gedeckt, dass dieser gezwungen war, selbst mit dem Ball zu laufen.

 Nach der Halbzeitpause setzte sich dieses Bild fort und auch die in der ersten Halbzeit noch erfolgreichen Läufe über die Außen wurden nun früher von der Ritter-Defense gestoppt. Matthias Gnewuch, der Quarterback der Red Knights, brachte zudem mehr und mehr Pässe an und folgerichtig funktionierte auch der Draw immer besser. Nach einem wuchtigen Lauf von Axel Gemmert durch die Mitte stand die Ritter-Offense bereits kurz vor der gegnerischen Endzone. Dort pflückte einen Spielzug später Constantin Tielkes einen Ball aus der Luft – Touchdown Red Knights! Nach verwandeltem Extrapunkt lautete der neue Spielstand 10:3.
Die Silver Arrows waren nun gezwungen, neue Spielzüge auszupacken. Hierbei griffen sie in die Trickkiste und versuchten die Tübinger durch einen Reverse-Spielzug (siehe Glossar) zu überlisten. Linebacker Stefan Nestler stand jedoch aufgrund seiner langjährigen Erfahrung goldrichtig und stoppte den silbernen Läufer. Die inzwischen sehr variable Offense der Red Knights holte nun in fast jedem Spielzug die im Football so wichtigen zehn Yards. Allein die letzten Inches schienen unüberwindbar. Gleich dreimal scheiterten die Tübinger Runningbacks beim Versuch das fehlende Yard zum Touchdown zu überwinden. Im Allgemeinen gibt man sich im vierten und letzten Versuch dann mit einem Fieldgoal zufrieden, doch die Red Knights gingen volles Risiko. Als alle mit einem in dieser Situation üblichen Lauf durch die Mitte rechneten, stand Receiver Mark Linsser ungedeckt in der Endzone und fing den Pass zum 16:3.
Es gibt Momente im American Football, da ist ein Spiel eigentlich schon entschieden. Ein solcher Moment folgte wenig später. Wieder erwies sich die Defense der Tübinger als unüberwindbar und die Stuttgarter waren gezwungen zu punten. Zu allem Übel flog der Ball dabei über den Punter, der dem Ball mit dem Rücken zu den heranstürmenden Rittern hinterherrennen musste. Genau dieser Moment war so ein Moment – doch irgendwie bekam der Punter den Ball unter Kontrolle und kickte diesen weit zu den Tübingern, wo er zu allem Unglück bis kurz vor die Endzone kullerte und dann liegen blieb. Die Offense der Ritter stand also förmlich mit dem Rücken zur Wand und konnte sich in der Folge aus dieser beengenden Situation auch nicht befreien. Anstelle der Vorentscheidung drohte das Spiel noch einmal zu kippen, denn die Silver Arrows starteten nun bereits tief in der gegnerischen Hälfte. Die Nerven der Zuschauer wurden in dieser Phase des Spiels nicht geschont. Im dritten Versuch war zunächst nicht klar, ob die Stuttgarter bereits den nötigen Raumgewinn sicher hatten. Die Schiedsrichter-Crew ließ nachmessen – es fehlten wenige Zentimeter. Natürlich gingen nun auch die Silberpfeile volles Risiko und spielten den vierten Versuch aus. Wieder hielt die Verteidigung, wieder fehlten nur Zentimeter – Ballbesitz und Aufatmen!
Zunächst führte Tobias Lutz mit drei langen Läufen die Tübinger übers halbe Feld. In der Folge machte sich jedoch auf beiden Seiten das nun schon rechte lange Spiel bemerkbar. Im Fallen versuchte Matthias Gnewuch noch einen Pass loszuwerden, dieser geriet dadurch viel zu kurz und wurde abgefangen. Die Silver Arrows kamen noch einmal in Ballbesitz, doch wieder waren alle Passempfänger hervorragend gedeckt. Mit dem Mute der Verzweiflung warf der Stuttgarter Quarterback dennoch den Pass und hatte Glück. Der Pass wurde zwar nicht gefangen, doch die Schiedsrichter sahen bei der engen Deckung einen Regelverstoß. Der nächste Pass kam dann an, und zwar in der Endzone. Mit diesem Touchdown verkürzten die Silver Arrows auf 16:10.
In der Schlussphase kam so nochmal unnötige Hektik auf. Zunächst lief alles nach Plan, die Red Knights erliefen sich einige Meter, holten sich neue Versuchen und spielten Zeit von der Uhr. Als die letzten Sekunden gerade am Verrinnen waren, verletzte sich ein Spieler der Ritter, woraufhin die Uhr gestoppt wurde. Tübingen war gezwungen auch den vierten Versuch zu spielen und entschied sich für den Befreiungsschlag, den Punt. Der gegnerische Returner konnte diesen sichern, wurde aber sofort von Philipp Herrmann getackelt, der damit nicht nur den Gegner, sondern auch den ersten Heimsieg der Red Knights festhielt. Der zweite Sieg im zweiten Spiel ist unter Dach und Fach. Die ersten vier Punkte im Kampf um den Klassenerhalt sind also gesammelt. Von mehr zu träumen wäre vermessen, denn ein Blick auf die Tabelle verrät, dass man es bisher mit den beiden vermeintlich leichtesten Gegnern zu tun hatte.

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